Kunstreise in die Romantik – Caspar David Friedrich auf Rügen
und in Greifswald


Der Maler soll nicht bloß malen, was er vor sich sieht, sondern auch was er in sich sieht. Sieht er aber nichts in sich, so unterlasse er auch zu malen, was er vor sich sieht. (Caspar David Friedrich)
Caspar David Friedrichs Aufenthalt auf dem Jasmund ist uns durch die Schilderung seines Freundes, den Arzt und Naturphilosophen Gotthilf Heinrich von Schubert, sehr lebendig überliefert: »Die stille Wildnis der Kreidegebirge und die Eichenwaldungen seiner vaterländischen Insel Rügen waren im Sommer, noch mehr aber in der stürmischen Zeit des Spätherbstes und im angehenden Frühling, wenn auf dem Meer an der Küste das Eis brach, sein beständiger, sein liebster Aufenthalt. In Stubbenkammer, wo damals noch kein modernes Gasthaus stand, weilte er am öftesten, dort sahen ihn die Fischer manchmal mit Sorge um sein Leben, ja wie einen, der freiwillig in der Flut sein Grab suchen wollte, auf und zwischen den Zacken der Bergwand und ihren ins Meer hinausragenden Klippen herum klettern. Wenn der Sturm am kräftigsten war und die Wogen, mit Schaum bedeckt, am höchsten heran schlugen, da stand er, von dem heranspritzenden Schaume oder auch von einem plötzlichen Erguss des Regens durchnässt, hineinschauend wie einer, der sich an solcher gewaltigen Lust der Augen nicht sattsehen kann ...«
Die raue und unberührte Natur der Insel Rügen war für Friedrich Ort der In­spiration, der Kraftschöpfung und Heilung. Trotz dieser unmittelbaren Naturerfahrung drücken seine später im Atelier entstandenen Gemälde immer Stille und Andacht aus. Das Eindringen in seine Kunst sei, »als belausche man einen Betenden«, empfindet der Kunsthistoriker Helmut Börsch-Supan. Mit seinen Gemälden hat Caspar David Friedrich einen Mythos der Insel Rügen geschaffen, der in heutiger Zeit eine immer stärker werdende Bedeutung zu erlangen scheint.
Die auf Rügen entstandenen Skizzenbücher Friedrichs zeugen von dessen ge­nauester Naturbeobachtung und Detailtreue. Die Landschaftsmalerei bekam zum ersten Mal realistische Züge, wodurch die idealisierenden Landschaftsdar­stellungen früherer Maler, die sich mit liebenswürdigen Formen und Klischees von der Natur begnügt hatten, überwunden wurden.
Friedrich brauchte die Einsamkeit in der Natur, was er dem Dichter Wassily Joukowsky einmal selbst erklärte: »Ich muss allein bleiben und wissen, dass ich allein bin, um die Natur vollständig zu schauen und zu fühlen; ich muss mich dem hingeben, was mich umgibt, mich vereinigen mit meinen Wolken und Fel­sen, um das zu sein, was ich bin. Die Einsamkeit brauche ich für das Gespräch mit der Natur.«
Die Skizzen und Zeichnungen Friedrichs waren also Teil eines vielschichtigen Prozesses von Erleben und Reflektieren, ehe in der Einsamkeit seines spartani­schen Ateliers die Gemälde entstanden.
Wilhelm von Kügelgen wusste hierüber zu schreiben: »Sogar der so wohl be­rechtigte Malkasten nebst Ölflaschen und Farblappen war ins Nebenzimmer verwiesen, denn Friedrich war der Meinung, dass alle äußeren Gegenstände die Bildwelt im Inneren stören.«  Das Naturerlebnis war Friedrich stets auch religiöses Erlebnis, denn für ihn offenbarte sich Gott in der Natur. Wenn Menschen in seine Landschaftsdarstel­lungen einbezogen sind, dann schauen sie ehrfürchtig, demütig und kontempla­tiv in die Natur.
Das Naturerleben in künstlerische Werke umzusetzen, die Natur als Schicksalsgeberin des Menschen zu erspüren, zu erlauschen und dann mit unterschiedlichen künstlerischen Medien wiederzugeben, war Ziel unserer Kunstreise in die Romantik. Ob in der Klosterruine Eldena bei Greifswald-Wieck, in der Innenstadt von Greifswald, auf den Kreidefelsen oder der unmittelbaren Natur auf den großen Zicker – wir malten, filmten und fotografierten an den Orten, die Caspar David Friedrich zu berühmten Werken inspirierten.

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