Wien, Freud, Kunst



Eine Kunstreise nach Wien erklärt sich eigentlich von selbst. Wien hat etwa 80 Museen und Gedenkstätten, davon einen hohen Anteil an Kunstmuseen. In Wien ist die Secession mit Gustav Klimt genauso zu Hause wie Sigmund Freud, der Wiener Walzer genauso wie das Rote Wien. Genau in diesem Spannungsverhältnis treffen sich die unterschiedlichen Kulturausprägungen in der durch die Psychoanalyse Freuds an- und aufgeregten neuen Sichtweise kultureller Werte, womit für unsere Betrachtung gerade die kultur- und gesellschaftskritische Dimension der Psychoanalyse von Bedeutung ist.

Trotz seiner einseitigen Überbetonung der Sprache, die zu seiner bemerkenswert symbolhaft ausgereiften Rhetorik und einem literarischem Schreibstil führten, der nicht unbeachtet blieb und wofür Freud 1930 mit dem Goethe-Preis der Stadt Frankfurt geehrt wurde, hatte Freuds Psychoanalyse Auswirkungen auf das allgemeine Kunstschaffen einerseits, auf die Kunstrezeption andererseits. Das Britische Museum erhob Freuds „Traumdeutung“ zu einem der drei Bücher (neben Marx und Darwin), die das 20. Jahrhundert am meisten bestimmt haben. Kunsthistoriker des 20. Jahrhunderts, die in der Psychoanalyse Möglichkeiten zur Entschlüsselung von Kunstwerken und deren Entstehung fanden oder zu finden glaubten, reduzierten die Bildinhalte sämtlich zu Todesmetaphern und Phallussymbolen. Im Sinne Freuds funktioniert das bei einigen Expressionisten ganz gut. Auch Träume spielen in der Kunst immer wieder eine wichtige Rolle. Expressionisten in der Malerei und Grafik, wie Alfred Kubin und Schriftsteller, wie Franz Kafka, belegen diesen Einfluss. Auch der Surrealismus scheint ohne die Psychoanalyse nicht denkbar zu sein. Scheinbar verbildlicht er das Unterbewusste, dass, was die Psychoanalyse freilegen soll. Was die kulturelle Reflexion anbelangt, mag das stimmen.

Freud hat, ohne es sicherlich bewusst gewollt zu haben, die Kunst und das Kunstschaffen des 20. Jahrhunderts entscheidend beeinflusst. Direkt, wie z.B. bei dem Thema Traumdeutung angerissen, indirekt, da sich viele Künstler und Intellektuelle mit der Psychoanalyse seit deren Bekanntwerden beschäftigten. Selbst im Kino-Film interessierte man sich nicht erst seit Hitchcock für die Psychoanalyse. Deutlich wird seine Zurückhaltung gegenüber neuen Kunstformen und Medien in seiner Ablehnung der von Goldwyn erbetenen Hilfe: „Den Beginn des Interesses Hollywoods an der Psychoanalyse kann man auf das Jahr 1924 datieren, als Samuel Goldwyn dem berühmten Dr. Freud 100.000 Dollar für seine Hilfe an „einer wirklich großen Liebesgeschichte“ anbot. "… Sigmund Freud rümpfte die Nase, …“ (Rall, Veronica: Spellbound (1944). In: Beier, Lars-Oliver und Seeßlen, Georg: Alfred Hitchcock, Berlin 1999, S. 325) und lehnte die Mitarbeit ab.
Ein Künstler, dessen Leben und Werk immer wieder Parallelen zu Freud aufweist, ist Gustav Klimt. Bis heute scheint er als Sezessionist in Wien noch nicht vollständig anerkannt zu sein. Es ist anzunehmen, dass der öffentliche Skandal, den einige Werke Klimts in der Wiener Kulturszene hervorgerufen hatten, Sigmund Freud zu Ohren gekommen ist. In dem Buch zum Film „Klimt“ lässt die Autorin Klimt über die Möglichkeit der Therapie auf der Liege von Dr. Freud berichten, was sicherlich aber auch nur eine Annahme aufgrund des biografischen Kontextes sein wird.

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