Besuch bei Paula Modersohn-Becker - Kunstreise nach Worpswede

Unter diesem Motto unternahm der Studiengang Kultur- und Medienpädagogik des Fachbereiches Soziale Arbeit.Medien.Kultur die diesjährige Kunstreise. Unsere jährlich stattfindenden Kunstreisen geben als emotionales Ereignis unseren Sinnen Nahrung, sowohl im Sinne von Selbsterfahrung als auch in der Spiegelung mit anderen Welten. Kultur und Denken bleiben lebendig. So können unsere Kunstreisen als eine Einheit von Impuls und Aktion, Bewegung und Erregung, von Eindruck und Ausdruck - und von erhöhtem Blutdruck wahrgenommen werden. Kunstreisen implizieren Sehnsucht nach Entdeckungen und Wünsche nach Veränderung, weil die Möglichkeit besteht, die gewohnten Bahnen verlassen zu können. Im Gegensatz zum Massentourismus führen unsere Kunstreisen zum kulturellen Austausch und zur ästhetischen Bildung in der Auseinandersetzung mit Neuem, Ungesehenem. Die Aufgeschlossenheit der Studierenden lässt neue Werte des eigenen Kulturverständnisses wachsen. Die eigene Kultur wird als Teil im kulturellen Selbstverständnis einer neuen Globalkultur begriffen. Unsere Reisen führten uns bisher nach Tunesien, Italien, Ägypten, Türkei, Spanien, Frankreich Russland und Holland - wir waren unterwegs auf den Spuren der Künstler. Aber auch in Deutschland sind wir auf Entdeckungsreise gegangen, z.B. haben wir die künstlerischen Wirkungsstätten von Caspar David Friedrich auf Rügen und die der „Blauen Reiter» in Murnau erkundet.

In der letzten Maiwoche 2008 reisten 34 Studierende mit Prof. Johann Bischoff (Ästhetik und Kommunikation) und Christian Siegel (künstlerische Grundlagen) in die 1889 gegründete Künstlerkolonie, wo die Wegbereiter der modernen Malerei Fritz Mackensen, Fritz Overbeck, Otto Modersohn, Hans am Ende und Heinrich Vogeler, aber und vor allem auch Frauen wie Clara Rilke-Westhoff und Paula Modersohn-Becker lebten und arbeiteten. Die Reise führte uns in eine Landschaft, die vom Moor geprägt ist, dessen, im 17. Jahrhundert geschaffenen, Kanäle überhaupt erst eine kleine Besiedlung zuließen. Torf, im Moor gewonnen, ermöglichte das kärgliche Dasein einiger Bauern. Schwere körperliche Arbeit bestimmte das harte Landleben, über das Rainer Maria Rilke schrieb: „Das Lächeln der Mütter geht nicht auf die Söhne über, weil die Mütter nie gelächelt haben. Alle haben nur ein Gesicht: das harte, gespannte Gesicht der Arbeit, ...»  In dieser kargen und doch intensiv er lebbaren Landschaft gründeten Fritz Mackensen und Otto Modersohn die Künstlerkolonie, die die Kunst des ausgehenden 19. Jahrhunderts beeinflusste und deren revolutionäre zweite Generation die des beginnenden 20. Jahrhunderts entscheidend prägte.
Zu den jüngeren, die in den Bann der Künstlerkolonie gezogen wurden, gehörte Paula Modersohn-Becker. Vor einem Jahr hatte Paula Modersohn-Becker ihren 100. Todestag, wodurch sie wieder einmal verstärkt ins öffentliche Licht der Kunst gerückt wurde, aus dem Halbschlaf der Museen. Ganz zu Unrecht geriet sie nahezu in Vergessenheit, denn, wie die Studierenden in den Museen, Galerien und Ausstellungen in Worpswede, Fischerhude und Bremen erfuhren, ist die Malerin, die noch vor Picasso in Paris zur „kubistischen Allansichtigkeit» fand, ein künstlerischer Dauerbrenner. In Fischerhude lernten wir den Maler Christian Modersohn kennen, der in einem Privatmuseum das Erbe seines Vaters Otto Modersohn und dessen zweiter Frau Paula liebevoll pflegt. Er wusste viele Details aus dem Leben der beiden zu berichten. Der 1865 in Soest geborene Otto Modersohn hatte sich hierher zurückgezogen und lebte 35 Jahre, bis zu seinem Tode, hier. Was verbindet Otto Modersohn und Paula Modersohn-Becker: „Ausgehend von dem gemeinsamen Erlebnis der "Entdeckung" einer bestimmten Landschaft und der in ihr lebenden Menschen, strebten beide (in der Abneigung gegen "Konvention", leeres "Pathos" und "Veräußerlichung") "Einfachheit" an, als malerisches Programm und als menschliche Haltung. Die zunächst von Otto Modersohn, dann gemeinsam mit seiner Frau erarbeitete Maxime ("Das Ding an sich in Stimmung") wurde schließlich zu einem Schlüsselwort für einen neuen Gegenstandlichkeits- und Schönheitsbegriff. Diese Auseinandersetzung, die Otto Modersohn lange bevor er Paula kennenlernte, schon begonnen hatte, wurde die gemeinsame und dann vielleicht auch die trennende Auseinandersetzung. Paula wollte mehr als nur "Einfachheit". Die Lebensgeschichte der Paula Modersohn-Becker, die vor reichlich 100 Jahren so tragisch endete, ist zum einen von Emanzipationsbestrebungen geprägt, zum anderen von der Liebe zu einem Mann, der als Künstler wegweisend und innovativ, dennoch noch ganz im Lebensbild des 19. Jahrhunderts verwurzelt war. Ihr freier Lebensentwurf und Wille, Künstlerin zu sein, musste an die Grenzen der Konventionen stoßen, wenn man bedenkt.

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