Kunstreise - Expressionismus im Norden:
Emil Nolde und Ernst Ludwig Kirchner


Eine Kunstreise als Lehrveranstaltung mit Studierenden als integrativer Bestandteil
des Studiums macht u.a. a. die Einzigartigkeit des Studiengangs Kultur- und
Medienpädagogik aus. Bekannte Reisen von Künstlern, Wirkungsstätten und Motive
sind Ziele der Kunstreisen. Die Expressionisten der Brücke waren auf der Suche nach
dem „Paradies“, dem Ursprünglichen der Kunst. Emil Nolde fand sein Paradies in
Seebüll an der Nordsee, Kirchner auf der Ostseeinsel Fehmarn.

Wir haben die Orte des Schaffens besucht: Seebüll, Husum, Flensburg und einen
Abstecher zu Noldes Brücke-Kollegen Ernst Ludwig Kirchner nach Fehmarn
unternommen. Mit den Werken und den Orten der beiden Expressionisten haben sich
die Studierenden künstlerisch auseinandergesetzt. Entstanden sind beeindruckende
Arbeiten: Malereien, Zeichnungen und Fotografien, die den Expressionismus im
Norden neu interpretieren, sowie ein Audio-Feature zur Kunstreise.



Seebüll und Emil Nolde
Wie eine „Insel im Grünen“ entdeckt der Anreisende das auf einem Hügel einsam
stehende expressionistische Wohn- und Atelierhaus Emil Noldes in Seebüll.
Daneben ducken sich zwei moderne Funktionsgebäude mit Gaststätte, Ausstellung
zu Noldes Leben, Museumsshop und Sitz der Nolde-Stiftung. Alles sehr sachlich und
zweckentsprechend. Verspielt lädt dagegen der von Emil Nolde selbst gestaltete und
bepfl anzte kleine Park und Garten zum Spazieren und Entdecken ein. Hier wachsen
heute noch die Blumen, die für viele seiner farbintensiven Aquarelle als Vorlagen
dienten.

Im Haus schaut man durch eine Glastüre in Noldes Wohnzimmer. Klubsessel-
Athmosphäre. Dumpf und ein wenig beklemmend. Und von außen kann man durch
die Fenster auch in ein Schlafzimmerchen schauen. 
Das Atelier ist leider zum Ausstellungsraum umfunktioniert worden. Das große
Atelierfenster gen Nordosten ist zugemauert, um an dieser Wand im Moment das
religiöses Triptychon „Martyrium“ von 1921 zu präsentieren. Die „Ungemalten Bilder“
beeindrucken ob ihrer ursprünglichen Kraft, einer Ursprünglichkeit, der auch die zur
Zeit gezeigte 58. Jahresausstellung gewidmet ist.
Nach einer wortreichen Führung durch das Haus sind wir herzlich eingeladen im
Garten zu verweilen.

Emil Nolde – einer der bekanntesten Expressionisten ist auch einer der eigenständigsten
und eigenwilligsten Künstler des deutschen Expressionismus‘. Er ist kaum in irgendeine
Kunstrichtung einzuzwängen. Zu vielseitig ist sein Schaffen, oft voller Gegensätze.
Vielleicht ist es auch seine Herkunft aus der dänisch-deutschen Grenzregion, die
ihn sein Deutschsein herauskehren ließ. Verheiratet war er über 50 Jahre mit einer
dänischen Schauspielerin. Äußerlich betrachtet ein Widerspruch. Überhaupt entdeckt
man, je intensiver man in das Leben und Werk Noldes eintaucht, viele Widersprüche.
So ist sein Oszillieren zwischen Impressionismus, Neoimpressionismus und
Expressionismus genauso wie sein Leben zwischen kleinbürgerlicher Idylle und dem
Leben als Malerfürst.

Eigenwillig schien er zu sein, hat er sich doch mit allen in seiner Schaffenszeit
hantierenden Avantgarden überworfen oder sich distanziert: mit der Berliner Sezession
genauso wie mit den Brücke-Malern. Um Anerkennung ringend, erste Bekanntheit
habend, sympathisiert Nolde mit dem aufkommenden Nationalsozialismus, wird aber
dennoch von den Nationalsozialisten als „entartet“ diffamiert und mit Malverbot belegt.
Siegfried Lenz verarbeitete dieses Geschehen in seinem Roman „Deutschstunde“,
in dem der Maler Max Ludwig Nansen vom Dorfpolizisten überwacht wird. Ob
Nolde tatsächlich in dieser Art überwacht wurde, ist nicht klar. Lenz kannte folglich
Noldes Biografi e, die es natürlich nahe legt, dass Nolde, nachdem er nach dem
zweiten Weltkrieg mit künstlerischer Anerkennung reichlich bedacht wurde, kritisch
zu bewertende Äußerungen und Taten während der Nazizeit unangesprochen und
unbeachtet zurück ließ. 


Malerei
Seine Lehrzeit führte Nolde nach Flensburg. Dort kam er sicherlich mit den
nordfriesischen Malern, wir Hans Christiansen, in Berührung. Neben Nolde gab es
etliche Expressionisten im Norden Deutschalnds. Es ist anzunehmen, dass Nolde
den tschechischen Maler Wenzel Hablik (1881 – 1934) oder dessen Werke kannte.
Hablik malte 1997 bis 1910 auf Sylt intensive und tief emotionale Landschaften. Ernst
Ludwig Kirchner verbrachte in dieser Zeit mehrere Sommer auf Fehmarn. Nolde
hatte Kirchner als Mitglied der Künstlergruppe „Brücke“ kennen gelernt. Kirchner
hatte sich mehrere Sommer beim Leuchtturmwärter auf der Südostspitze „Staberhuk“
auf Fehmarn „eingenistet“ und diesen sonnigen Strandfl ecken als sein „Paradies“
malerisch verewigt. Nolde soll die Radierung als grafi sche Technik in diese Gruppe
gebracht haben.



Nolde und die Brücke
Nachdem Nolde mit der Brücke in Berührung kam und selbst viele Holzschnitte anfertigte,
änderte sich sein Malstil zu einem dem cloisonnistischen Stil vergleichbaren, was
sich u.a. in seinem Gemälde „Abendmahl“ von 1909 zeigt. Diese Holzschnittartigkeit,
bei der Farbfl ächen dunkel konturiert werden, ist zum Merkmal aller Brücke-Maler
geworden.

Gerade in der Jahresausstellung zur „Ursprünglichkeit“ wird auch die stilistische
Vielfalt in Noldes Schaffen deutlich, wobei die um 1900 gemalten Landschaften sowohl
im Pinselduktus als auch in ihrer Farbigkeit an die Post- und Neoimpressionisten
Frankreichs erinnern. Seine Bilder werden nach dem ersten Weltkrieg schwerer, erdiger
und dunkler. Erst die Aquarelle in den 1950er Jahren scheinen an die Leichtigkeit der
frühen Werke anzuknüpfen, wie es die Porträtfolge Jolanthe Noldes, seiner späten
Liebe, zeigt. Um relativ großfl ächige Aquarelle malen zu können, benutze Nolde
Aquarellfarben in größeren Gefäßen, die er in einer mit sich trug Tasche.
Christian Siegel

Bilder

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